Die Sage vom Schlossberg, dem Kalvarienberg und MurXkraftwerk

Betty Baloo am Mi, 21.03.2018 - 12:41
Schlossberg zu Graz (Fotoquelle: Internet)

Auf dem Schöckel wurde einst zur Osterzeit ein prächtiges Fest gefeiert. Die Leute genossen den schönen Ausblick, der tief in das Land hinein reichte. Ein grün gekleideter Jäger trat unter die Festgäste und sagte: „Ihr liebt euer Land, euren Schöckel, aber dieser ist nur ein Zwerg gegen den großen Rigi in der Schweiz. Wenn ihr wollt, so setze ich binnen 24 Stunden hier drei solche Kegel wie der Schöckel übereinander auf, aber der erste Mensch, der dann diesen dreifach getürmten Felsen besteigt, muss mir gehören!" Die Leute gingen auf den Handel ein. Plötzlich stieg vor ihren Augen eine schwarze Wolke auf und zog über den Schöckel. Blitz und Donner zerrissen die Wolken in der Mitte und die Gestalt des Jägers wurde immer länger und länger und flog in diese Wolken und danach nach Süden. Der Jäger war der Teufel, der nach Afrika sauste und dort vom Mondgebirge eine riesige Felsmasse losriss. Diese spannte er sich auf den Rücken und raste zurück in die Steiermark. Als der Teufel über Wildon flog, sah er auf der Straße eine Osterprozession.

Jetzt erinnerte sich der Höllenfürst, dass er in dieser heiligen Zeit keine Kraft besaß, und schleuderte den Felsen mit aller Kraft und Wut in das Murtal, dass dieser in zwei Trümmer zerbrach. Das eine Steinstück war fortan der Schlossberg und das kleinere der Kalvarienberg von Graz. Zornig flog der Teufel, nachdem er seine riesige Steinlast weggeschleudert hatte, weiter und bohrte mit seinem Körper ein großes Loch in den Schöckel, durch das er dann in die Hölle fuhr.

Jahre später kam er nocheinmal nach Graz zurück und sah, dass der Schlossberg nun wunderschön bewaldet und als Naherholungsgebiet von den Menschen aus nah und fern sehr beliebt geworden war.

Wieder packte ihn die Wut und er sann nach Rache. In einer Nacht-und-Nebel-Aktion setzte er den Grazern einen neuen Felsbrocken mitten in die Stadt. Nachdem der Werkstoff Beton zu dieser Zeit großen Aufschwung erlebte, musste er diesmal nicht weit fliegen und goß eine riesige Menge in die Mur, das MurXkraftwerk entstand und er abermals durch ein Loch im Schöckel verschwand.

Seit dieser Zeit warten die Bewohner gespannt, ob er wieder auftaucht und haben Ordnungswächter beauftragt, sofort Alarm zu schlagen, wenn es dafür Anzeichen gibt.

Das alte Sprichwort "Der Teufel schläft nicht" bewahrheitet sich offenbar im kleinen Städtchen Graz also immer wieder.