La Strada: EStAG für den Award des besten Marionettentheaters nominiert!

Betty Baloo am So, 06.08.2017 - 19:20
La Strada: Für den Ansturm gerüstet
La Strada: E so toll
La Strada: Das Spiel kann beginnen

La Strada : Ach wie wohltuend innovativ war dieses Festival der Straße seit seiner Einführung Ende der 90er Jahre. Da ging man von der Arbeit nach Hause, wollte nichts, als endlich seine verschwitzten Klamotten ausziehen und duschen und blieb dann ganz unverhofft in der Sporgasse „hängen“ weil gerade zwei Akrobaten über die Gasse auf einem Seil zu Musik tanzten und eine Geschichte erzählten.

Jetzt 2017, Jahre später und an Veränderungen reicher präsentiert sich „La Strada“ wie es scheint in neuem Gewand. Vor allem wirtschaftliche Komponenten sind unübersehbar und haben allerorts Einzug gehalten. Nicht alle Veranstaltungen sind kostenlos, für einige muss man Tickets lösen. Der Kapitalismus vereinnahmt alles und macht auch vor der Kulturszene nicht Halt.

Die Krone wird dem Ganzen durch eine von der EStAG gesponserte Veranstaltung im „Naherholungsgebiet Auwiesen“ südlich von Graz aufgesetzt. Dieses öffentliche „Naherholungsgebiet“, das allwöchentlich als Substitut für im Zuge des Kraftwerkbaus zerstörten Naherholungsraum an der Mur angepriesen wird, wird für diesen Event (am Samstagabend, wo sich um diese Zeit normaler Weise Menschen tummeln, um zu grillen, ihren Hund auszuführen oder Freunde zu treffen) kurzer Hand unter Beschlag genommen, abgesperrt und ist nur gegen Eintritt (Erwachsene sollen 20,-- Euro berappen, Kindereintritt kostet 7,-- Euro) betretbar.

Gleichzeitig werden innovative Künstler und Künstlerinnen des Festivals – wohl ohne ihr Wissen – vor den Karren des Konzerns gespannt. Diese sollen aufgrund ihrer Popularität wohl das Publikum ins Naherholungsgebiet locken?! Der Konzern subventioniert zwar den Event, verhält sich gleichzeitig aber weniger gönnerhaft als angenommen, holt er sich das ausgegebene Geld durch die Einnahmen ohnehin in mehrfacher Höhe zurück. Auf diese Art und Weise mutiert La Strada zu einem Festival für Leute die etwas auf sich halten und es sich leisten können und nicht wie ursprünglich gedacht, als Veranstaltung für alle. Denn auch die Anreise mit Bus oder Auto (Parkhaus) will bezahlt werden. Zudem lassen die Veranstalter in der Einladung wissen, dass große Rucksäcke, Schirme und Flaschen zu Hause gelassen werden sollen, weil es nicht erlaubt ist, diese aufs Gelände mit zu nehmen. Auch sei für das leibliche Wohl ohnehin vor Ort gesorgt, weil Getränke und Imbisse käuflich erworben werden können.

Die beste künstlerische Darbietung liefert in diesem Fall die EStAG. Ihr Marionettentheater um Profitmaximierung und wirtschaftliches Geschick muss erst seines gleichen finden. Während sie durch den Bau des Murkraftwerks mitverantwortlich ist, dass Ruhe Suchenden derzeit und auch später weniger öffentlicher Raum zur Verfügung stehen wird, spielt sie auch noch eine Hauptrolle bei „La Strada“, sahnt mächtig ab und gewöhnt die Kulturbegeisterten daran, dabeisein zu wollen, koste es was es wolle.

Wir von „Murxkraftwerk“ und „Zwergenfreiheit“ werden dieses Vorgehen nicht unwidersprochen hinnehmen.
Wir und unserE Kunst sind nämlich nicht käuflich!

 

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